Robert Habeck

Robert Habeck


Die offizielle Seite von Robert Habeck, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Schriftsteller und Publizist.

November 2019
M D M D F S S
« Okt    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930  

Kategorien


Füreinander rackern

Nach der Urwahl beginnt unsere Meisterschaft.

Robert HabeckRobert Habeck

Freiheit und Verantwortung und Kampfgeist

Am Mittwoch, zwei Tage vor Abschluss der Urwahl beginnt die Handball-WM. Für mich auch ein wichtiges Datum…

Neun Jahre lang war die Deutsche Nationalmannschaft trotz guter Individualisten auf der Verliererstraße – bis Dagur Sigurdsson ihr Trainer wurde. Er fand eine Ansprache, die die Spieler an sich glauben ließ. Er machte das Spiel flexibel, so dass die Mannschaft kreativ neue, offensive Situationen schuf. Und er trainierte sie mit einer Mischung aus intensivem Training und viel Freiraum, aus Freiheit und Verantwortung. Dieser so geschmiedete Kampfgeist trug die junge Mannschaft 2015 zum Sieg bei der Europameisterschaft.

Das letzte Forum

Für uns Grüne stehen die Vorzeichen gerade nicht gut. Das letzte Forum der Urwahl ist vorbei, es war das umkämpfteste – der politischen Situation in Deutschland und der der Grünen angemessen. Wir sehen die 10 Prozent von unten und kommen nicht in die Vorhand.  Es  ist kein Geheimnis, dass uns ein eisiger Wind entgegen weht.

Heute wie vor zwei Jahren

Es ist dieselbe Lage, die mich vor zwei Jahren antrieb, für den Fall einer Urwahl meinen Hut in den Ring zu werfen, zur Überraschung vieler. Für mich war die Urwahl immer mehr als die Frage, wessen Gesicht auf den Plakaten klebt. Sie ist eine Entscheidung über den Weg von uns Grünen: Wollen wir weiter ins Abseits driften oder endlich gesellschaftliche Relevanz entfalten?

Was ich seitdem gesagt habe, ist das, wofür ich kämpfe, seitdem ich bei den Grünen bin:

  • Eigenständigkeit, nicht nur als Worthülse, sondern als Bereitschaft, aus den Ritualen der Politik auszubrechen.
  • Die Grünen Themen Umwelt, Energie, unsere Lebensgrundlagen, Freiheitsrechte nicht als Tischbeigabe abfrühstücken zu lassen, sondern ins Zentrum der gesellschaftlichen Debatte zu bringen.
  • Die Wirklichkeit verändern zu wollen und zu beweisen, dass wir es können.
  • Keine Angst zu haben.
  • Einen weiten Horizont zu behalten, um die Wirklichkeit immer wieder an unseren Idealen zu messen.
  • Neue Themen selbst zu besetzen.
  • Sich nicht in Flügeln zu zerstreiten, sondern geeint aufzutreten. Wenn wir nicht mit einer Stimme sprechen, werden wir stumm. Wenn wir gemeinsam sprechen, stark.

Hören wir auf, unsere Kraft zu vergeuden

Ich komme aus einem Land, in dem wir Grüne bei 15 Prozent stehen. Nach 5 Jahren in der Regierung mit schwierigsten Entscheidungen, vom Bau von Stromtrassen bis zur Asylpolitik. Das zeigt, wie relevant wir sein können. Hören wir also auf, unsere Kraft zu vergeuden. Hören wir auf, Angst vor den nächsten niedrigen Werten zu haben. Fangen wir wieder an, nach Bedeutung zu streben.

Grüne sind existenziell wichtig für einen modernen, liberalen, sicheren Rechtsstaat

Die Urwahl muss der letzte Moment der Diskussion mit uns selber sein. Spätestens nach der Urwahl müssen wir geschlossen auftreten, wenn wir weiter eine relevante Rolle für Umweltschutz, Klimaschutz, Menschenrechte spielen wollen. Es geht nicht darum, wie wir im parteiinternen Wettstreit dastehen, es geht um die Zukunft dieser Partei. Und diese Partei, die Grünen, sind existenziell wichtig für einen modernen, liberalen, sicheren Rechtstaat, für eine lebenswerte Welt, in der Wohlstand und Ressourcenverbrauch endlich entkoppelt werden.

Bei all den Reisen und Gesprächen der letzten fast zwei Jahre, auf Neujahrsempfängen, Kreismitgliederversammlungen, Gesprächen in der Bundestagsfraktion oder in den Landtagen habe ich eine Partei kennengelernt, die es nicht verdient, so unter Wert gehandelt zu werden. Eine Partei voll brennendem Idealismus und aufopferungsvoller Arbeit. Eine Partei, die weiß, dass es anders geht und wie es anders geht.

Wir müssen die Verunsicherung abschütteln, um wieder stark zu sein. Dafür kandidiere ich. Für den Optimismus und den Mut zur Veränderung, für das Wissen und die Erfahrung, dass wir besser sind, als wir gerade aussehen. Das ist unsere Rolle in der politische Auseinandersetzung: Nicht noch eine Partei, die sich von Angst und Angstmachern leiten lässt. Nicht noch eine Politik, die die Hose voll hat. Da Populisten die Ängstlichen immer weiter in die Antimoderne, die Vergangenheit, den alten Nationalstaat treiben, müssen wir der Gegenpol sein. Wir müssen für Mut und Vernunft, für Freiheit, Sicherheit und Solidarität stehen. Wir müssen unsere Geschichte so stark machen, dass sie trägt.

Politik wie Handball: rackern und kämpfen wir füreinander und miteinander für einen gemeinsamen Sieg. Für ein Comeback der Grünen.

Leute, nach der Urwahl beginnt unsere Meisterschaft!